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Bringt die Digitalisierung Europas Versorger an ihre Grenzen?

Emiliano Cevenini • Juli 27, 2018

Führt die digitale Abhängigkeit zu einem Katastrophenszenario?

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Die Digitalisierung kritischer Branchen verändert derzeit die Volkswirtschaften auf der ganzen Welt. Doch je abhängiger unser wirtschaftlicher Erfolg von der digitalen Infrastruktur ist, desto katastrophaler wären die Folgen von Ausfällen.

Vor diesem Hintergrund besteht kein Zweifel, dass es vor allem ein bestimmter Sektor ist, der den Erfolg aller anderen Branchen untermauert – die Versorgungswirtschaft. Ob als Folge von Naturkatastrophen, Terrorismus oder einfach nur menschlichem Versagen: Ein signifikanter Ausfall der Energieversorgung könnte die Wirtschaft – und die Gesellschaft insgesamt – zum Stillstand bringen.

Den Bedürfnissen von Unternehmen und Einzelpersonen gerecht werden

Die enorme Herausforderung für die Versorgungsunternehmen besteht genau darin, dass wir alle von ihnen abhängig sind. Davon sind so gut wie alle Bereiche unseres Alltagslebens betroffen. Viele Unternehmen der Strom-, Gas- und Kernenergiebranche, die einen breit gefächerten Kundenstamm vom Privatverbraucher bis hin zu Großunternehmen besitzen, durchlaufen gerade einen tief greifenden Wandel. Ein im Jahr 2017 von Vertiv veröffentlichter Bericht veranschaulicht, wie entscheidend eine hoch leistungsfähige Versorgungswirtschaft für das reibungslose Funktionieren unseres täglichen Lebens ist.

Doch gleichzeitig ist dem Bericht auch zu entnehmen, dass es in dieser Branche gerade einen tief greifenden Wandel bei der Erzeugung und Verteilung von Energie gibt. Hier geht es nicht nur um einen einzelnen Sektor, der auf neue Anforderungen reagiert. Vielmehr geht es um die Modernisierung der Strukturen, die die Grundlage für den Erfolg aller anderen Branchen und der gesamten Wirtschaft sind. Damit gehen diese Veränderungen weit über die bloße Aufrechterhaltung des Betriebs hinaus.

Eine wichtige treibende Kraft dahinter ist der politische Druck. Bei immer mehr Regierungen weltweit steht das intelligente Energiemanagement sowohl für Unternehmen als auch Bürger auf der Tagesordnung. Erst im Juli 2017 gab die britische Regierung ihre Pläne zum Aufbau eines „intelligenteren und flexibleren Energienetzes“ bekannt, das Bürgern und Unternehmen mehr Kontrolle über ihren Energieverbrauch ermöglichen soll. Damit solche Programme erfolgreich umgesetzt werden können, bedarf es massiver Veränderungen am bisherigen Modell der Stromverteilung, die von der Leistungsfähigkeit der digitalen Infrastruktur in der Energiewirtschaft abhängen.

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Intelligenter Wandel für intelligentere Versorger

Der Übergang von traditionellen Dienstleistungsmodellen zu digitalen Methoden wird durch den extrem vielfältigen Charakter der Versorgungsinfrastruktur erschwert. Die Branche insgesamt ist durch digitale und physische Systeme gekennzeichnet, die über nationale und internationale Grenzen hinaus verteilt sind und jetzt zusammenarbeiten müssen, um die erforderlichen Ressourcen zu liefern.

Doch nicht nur das physische Management des Übergangs von analogen auf digitale Ressourcen wird sich als schwierig erweisen; auch das Modell, das die Grundlage des Sektors bildet, verändert sich grundlegend.

Bisher erfolgte die Erzeugung und Verteilung von Energie von einem zentralen Punkt aus und über weit verzweigte Kanäle bis in alle Ecken des jeweiligen Landes. Nun erfordern Konzepte wie Smart Energy und Smart Grid einen Wechsel zu einem stärker dezentralisierten Ansatz. Heutzutage kommen verschiedenste, kleiner angelegte und flexiblere Technologien zum Einsatz, um die Energie von Standorten in der Nähe der zu versorgenden Unternehmen und Haushalten zu verteilen. Da bei diesem neuen Modell die Konnektivität im Mittelpunkt steht, werden die Versorger zu wichtigen Verfechtern des Edge Computing-Konzepts. Diese verteilten Hubs werden dabei nicht nur zu Zentren für die Bereitstellung von Dienstleistungen, sondern erzeugen auch riesige Mengen an Daten.

Zweifellos bietet dieser Fokus auf intelligente Energie Unternehmen die Möglichkeit, anhand der jetzt verfügbaren Daten personalisierte Angebote für ihre Kunden zu erstellen und letztlich für das ganze Land einen zuverlässigeren Service zu bieten. Laut McKinsey könnte durch die digitale Optimierung der Versorgungswirtschaft ein Rentabilitätszuwachs von 20 bis 30 Prozent erzielt werden. Aus diesem neuen Ansatz ergeben sich jedoch auch grundlegende Fragen für die I&O-Profis. Mit der Digitalisierung werden Sicherheit, Zuverlässigkeit und Redundanz wichtiger denn je. Die I&O-Teams müssen diese entscheidenden Punkte mit dem Tempo des Wandels, der von der Kundennachfrage getrieben wird, in Einklang bringen.

Anforderungen an die Infrastruktur von intelligenten Versorgern

Das neue dezentrale Energiemodell und die Smart-Grid-Technologie werden sowohl für die Aufrechterhaltung der landesweiten kritischen Stromversorgung von heute als auch für die Gestaltung der Smart Cities von morgen von zentraler Bedeutung sein. Es wird kaum jemanden überraschen, dass die I&O-Teams eine entscheidende Rolle bei diesem Wandel spielen.

Zuverlässigkeit und Redundanz – Das Instrumentarium der Versorgungsunternehmen verändert sich derzeit enorm. Die riesige Palette neuer Geräte und Maschinen ist von der Stromversorgung für einen unterbrechungsfreien Betrieb abhängig und die Daten, die sie erzeugen, müssen konsistent und vertrauenswürdig sein. IT-Experten werden unter hohem Erwartungsdruck stehen, Prognosen für die Wahrscheinlichkeit von Serviceausfällen zu liefern – sowohl unter Normal- als auch unter Extrembedingungen (wie während des letzten Winters im Osten Nordamerikas).

Während schon heute Versorgungsausfälle als kaum akzeptabel gelten, werden die sich ändernden Anforderungen eines digitalisierten Zeitalters dafür sorgen, dass Unternehmen und Verbraucher noch weniger Verständnis für Ausfälle aufbringen werden. Wenn mehr Daten verfügbar sind, werden Fehler und ein schlechtes Risikomanagement offensichtlicher, wodurch strengere SLAs entstehen, die von den I&O-Teams eingehalten werden müssen.

Sicherung von Ressourcen – Je größer unsere Abhängigkeit von der digitalen Infrastruktur wird, desto wichtiger wird es, die Sicherheit auf allen Ebenen zu gewährleisten. Versorgungsunternehmen werden immer komplexere Netzwerke betreiben und Edge-Computing-Hubs werden die operativen Aktivitäten und die Serviceerbringung steuern. Neben der Cybersicherheit und der Abwehr von digitalen Angriffen auf die IT-Infrastruktur wird es entscheidend darauf ankommen, die physische Sicherheit zu gewährleisten. Technikprofis werden von Geräten, die sich an weit entfernten Standorten befinden, sowie von einem vielschichtigen Infrastrukturnetz abhängig sein, das Daten aus einem riesigen geografischen Verbreitungsgebiet bezieht. Die Fusion von Datenschutz, physischer Sicherheit und Veränderungen in der digitalen Infrastruktur wird zwar zu einem komplexen, letztlich aber maßgeblichen Faktor für den Erfolg der Branche.

Ein entscheidender Moment

Viele von uns machen sich vielleicht keine Gedanken darüber, welche komplexen Vorgänge damit verknüpft sind, wenn wir unsere Smart Meter programmieren und die Raffinessen einer preiswerteren und bequemeren Energieversorgung genießen, doch die I&O-Teams müssen das auf jeden Fall. Nur wenige Branchen erleben derzeit einen solchen Wandel wie die Versorgungswirtschaft und für einige wird dieser Wandel von noch größerer Bedeutung sein.

Angesichts der Tatsache, dass die wichtigsten Branchen dank zunehmender Digitalisierung immer mehr voneinander abhängig sind, zählt das richtige Management des digitalen Wandels zu den größten Herausforderungen, vor denen I&O-Profis heute stehen. Machen sie etwas falsch, könnten die Lichter ausgehen. Machen sie alles richtig, sieht die Zukunft rosig aus.

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